Rechtsanwalt im katholischen Kirchenrecht

Rechtsanwalt im katholischen Kirchenrecht

Dr. Matthias Losert, LL.M.

Rechtsanwalt

Strausberger Platz 6
10243 Berlin

Fernruf: 030-250 121 25
Mobil: 0179-537 98 71
post@matthias-losert.de

Rechtsanwalt im katholischen Kirchenrecht
An der Universität Wien habe ich den Legum Magister (LL.M.) im katholischen Kirchenrecht mit Auszeichnung bestanden. Momentan bin ich Doktorand im katholischen Kirchenrecht an der Universität Freiburg im Breisgau. Ich berate und vertrete Sie anwaltlich im gesamten katholischen Kirchenrecht.

Meine Ausbildung im katholischen Kirchenrecht
Während meines kirchenrechtlichen Studiums habe ich mich mit dem katholischen Eherecht, Eheprozessrecht, dem katholischen Ordensrecht, kirchlichen Vereinsrecht, kirchlichen Arbeitsrecht, kirchlichem Vermögensrecht, kirchlichem Verkündigungsrecht, dem Recht der orthodoxen Kirchen und dem Staatskirchenrecht befasst.

Sponsion zum Legum Magister (LL.M.) im Kanonischen Recht
Meine Master Thesis habe ich über das Münchener Missbrauchsgutachten verfasst. Diese wurde mit der Note 1 bewertet, und meine Sponsion zum Legum Magister (LL.M.) im Kanonischen Recht habe ich „mit Auszeichnung“ bestanden. Als Rechtsanwalt seit 2010 und Doktor im weltlichen Strafrecht (2012) verfüge ich über eine fundierte rechtliche Expertise.

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Praktikum am Interdiözesanen Offizialat Erfurt
Während meines Studiums des kanonischen Rechts (Kirchenrecht) habe ich 2021 ein Praktikum am Interdiözesanen Offizialat Erfurt abgeleistet. Dort habe ich mich hauptsächlich mit dem katholischen Eherecht beschäftigtet.

a) Äußerer Ablauf des Praktikums im Offizialat Erfurt
Das Praktikum umfasste zwei Wochen im Interdiözesanen Offizialat in Erfurt, vom 21. – 25. Juni und vom 05. – 09. Juli 2021. Ein abschließendes zweistündiges Einzelgespräch am 20. Oktober 2021 mit Weihbischof und Vizeoffizial Dr. Matthias Heinrich führte Dr. Matthias Losert in der Dienststelle des Interdiözesanen Offizialats in Berlin. Das Interdiözesane Offizialat ist in der I. Instanz zuständig für die (Erz-) Bistümer Berlin, Dresden-Meißen, Erfurt, Görlitz und Magdeburg, wie auch für die Apostolische Exarchie der Katholischen Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland und Skandinavien. In einem ersten Schritt machte sich Rechtsanwalt Dr. Losert mit dem Interdiözesanen Offizialat vertraut. Die „Relatio annualis de statu et activitate Tribunalium“ aus dem Jahr 2020, vermittelte einen Überblick über die Mitarbeiter, die Zahl der Verfahren und Häufigkeit der Klagegründe.

b) Die Eheverfahren im Offizialat Erfurt
Ein Schwerpunkt des Praktikums lag auf den ordentlichen Eheverfahren. Die ziemlich umfangreichen ordentlichen Eheverfahren dominieren in allen deutschen Offizialaten den Arbeitsalltag. Anhand von Akten- und Literaturstudium, hierbei vor allem die Eheprozessordnung „Dignitas Connubii“ und das Motu proprio „Mitis Iudex“, gewann Rechtsanwalt Dr. Losert einen Überblick über den Ablauf des kanonischen Eheverfahrens. Er wurde vertraut mit den Ämtern und Aufgaben des Gerichtspersonals, Ponens, Ehebandverteidiger, Beisitzer und Notare. Rechtsanwalt Dr. Matthias Losert nahm als Protokollant an zwei Anhörungen in zwei verschiedenen Ehesachen teil. Das Interdiözesane Offizialat Erfurt umfasst vom Amtsbereich fünf Bundesländer. Die Anhörungen finden häufig in Wohnsitznähe der Prozessbeteiligten statt. Die Anhörungen, an denen Rechtsanwalt Dr. Losert teilnahm, waren mit ganztägigen Dienstreisen verbunden.

c) Tätigkeit im kirchlichen Eherecht von Dr. Losert
Rechtsanwalt Dr. Losert erstellte anhand von Akten ein Probevotum für ein Eheverfahren. Dieses Votum wurde mit dem, in dieser Ehesache bereits ergangenem Urteil, verglichen. In Vorbereitung des Probevotums erarbeitete sich Rechtsanwalt Dr. Losert die Rechtslagen für die Nichtigkeitsgründe Mangelnde Ehefähigkeit gemäß can. 1095, 2° und 3° CIC, und den Nichtigkeitsgrund Furcht und Zwang, gemäß can. 1103 CIC. Als Grundlage dafür diente das Buch von Klaus Lüdicke: „Die Nichtigerklärung der Ehe. Materielles Recht“, sowie Referate aus der Reihe „De Processibus Matrimonialibus“. Das Interesse von Rechtsanwalt Dr. Losert galt u.a. den Eheverfahren aus der DDR Vergangenheit. Themen, die in den historischen Akten aus der Zeit vor 1989 häufiger vorkommen sind: Eheschließung zum Zweck einer Wohnungszuweisung, sozialistische Ehemoral oder der Kirchenaustritt aufgrund von staatlichem Druck.

d) Privilegium Petrinum und andere Eheverfahren
In Form eines Überblicks wurden andere Verfahren vorgestellt: Das Dokumentenverfahren, bei dem von vornherein feststeht, dass die Ehe ungültig ist. Das Inkonsummationsverfahren, für den Fall, dass die Ehe geschlechtlich nicht vollzogen wurde. Das Interdiözesanen Offizialat Erfurt hat durch die Diaspora Situation relativ viele Verfahren „zugunsten des Glaubens“ – Privilegium Petrinum“. Auf diese Verfahren wurden im Praktikum eingegangen, ebenso die Lösung der Ehe nach dem „Privilegium Paulinum“, bei dem beide Partner einer Ehe ungetauft sind und ein Partner sich taufen lässt. Durch Aktenstudium gewann Dr. Matthias Losert einen Einblick in Verfahren der katholischen Ukrainer des byzantinischen Ritus und damit in Verfahren, die dem Recht des CCEO folgen.  Besonderes Interesse zeigte Rechtsanwalt Dr. Losert an kirchlichen Eheprozessen zu DDR-Zeiten und Verfahren nach dem Ostkirchenrecht.

e) Kirchliches Verwaltungsrecht
Ein weiterer Bereich des Praktikums umfasste das Dispenswesen und die Verwaltungskanonistik. Themen waren: der Aufbau des amtlichen Formulars des Ehevorbereitungsprotokolls der DBK. Im Zusammenhang damit wurden Ehehindernisse, Trauverbote, Dispensen, Erlaubnis und das Nihil obstat besprochen. Zunehmend wünschen Brauleute eine Hochzeit an nichtsakralen Trauorten. Die Regel für die Genehmigung eines solchen Eheschließungsorts wurden vorgestellt. Die Eheschließungen im Ausland nehmen in der globalisierenden Gesellschaft zu. Mit einem Beispiel wurden die Vorgehensweise bei einer Eheschließung im Ausland erläutert, mit Augenmerkt auch auf den „Litterae demissioriae“.

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„Einführung in das orthodoxe Kirchenrecht mit einer Gegenüberstellung der Normen des CIC und CEOO“

verfasst von Rechtsanwalt Dr. Matthias Losert, LL.M.

Zusammenfassung
Die folgenden Ausführungen von Rechtsanwalt Dr. Losert gehen präzise auf die wesentlichen Unterschiede des orthodoxen vom katholischen Kirchenrecht ein. Dem orthodoxen Kirchenrecht werden die Normen für die römisch-katholische Kirche gegenübergestellt. Diese sind im Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium (CCEO) für die katholischen Ostkirchen und dem Codex Iuris Canonici (CIC) für die lateinische Kirche niedergelegt.

Die orthodoxen Kirche unterscheidet sich im Fehlen eines geistlichen Oberhaupts wesentlich von der katholischen Kirche. Auch gibt es in den orthodoxen und den katholischen Ostkirchen kein Zölibat. Für den katholischen Kulturkreis überraschend sind auch die im orthodoxen Kirchenrecht vorherrschenden Eheverbote von älteren Personen.

1. Der Aufbau der orthodoxen Kirchen
a) Die selbständigen autokephalen Kirchen
Anders als dem Papst in der römisch-katholischen Kirche sind die einzelnen orthodoxen Kirchen dem Ökumenischen Patriarchen nicht hierarchisch untergeordnet. Denn es handelt sich bei den orthodoxen Kirchen um selbständige und autokephale Kirchen, die lediglich in Gemeinschaft mit den anderen orthodoxen Kirchen und dem Ökumenischen Patriarchen stehen.[1] Im Gegensatz zur römisch-katholischen Kirche bestimmen die einzelnen orthodoxen Kirchen ihr Kirchenoberhaupt selbst.[2] Der Ökumenische Patriarch hat keinen Einfluss auf die Bestellung der Bischöfe in den einzelnen orthodoxen Kirchen. Auch besteht kein Weisungsrecht des Ökumenischen Patriarchen gegenüber den einzelnen orthodoxen Kirchen. Es handelt sich beim Ökumenischen Patriarchen um einen Ersten unter Gleichen, welchem nur eine koordinierende Rolle als Haupt und Zentrum der Orthodoxie zukommt.[3]

b) Der Ablauf der gemeinschaftlichen Willensbildung in der orthodoxen Kirche
Die gemeinschaftliche Willensbildung in der orthodoxen Kirche erfolgt durch die einzelnen orthodoxen Kirchen. Diese können etwa in einem Konzil gemeinschaftlich einen panorthodoxen Konsens herstellen. Der Ökumenische Patriarch hat hier hierbei nur organisatorische und dienende Aufgaben. Ihm steht es beispielsweise bei der Errichtung einer neuen autokephalen Kirche zu, die einmütige Zustimmung der Synoden festzustellen und die Errichtung der neuen autokephalen Kirche zu proklamieren.

c) Höhere Kompetenzen des Ökumenischen Patriarchen
Allerdings kommen dem Ökumenischen Patriarchen auch Kompetenzen zu, die ihm mehr Autorität als den anderen Patriarchen zugestehen. So wurde im Jahre 2009 auf der IV. Präkonziliaren Panorthodoxen Konferenz die Einrichtung von Bischofskonferenzen in der orthodoxen Disapora beschlossen.[4] Deren Satzung besagt:

Art 4. (1) Die Bischofskonferenz und ihr Geschäftsführender Ausschuss haben einen Vorsitzenden, einen stellvertretenden Vorsitzenden oder zwei stellvertretende Vorsitzende, einen Sekretär und einen Schatzmeister sowie weitere von der Konferenz zu bestimmende Funktionsträger.

(2) Der Vorsitzende ist ex officio der Erste unter den Bischöfen des Ökumenischen Patriarchats und für den Fall seiner Abwesenheit derjenige Bischof, der ihm in der Rangfolge der Diptychen folgt. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz beruft die Sitzungen ein, leitet ihre Arbeiten und ist der Erste bei Konzelebrationen. Wenn Verhandlungen der Bischofskonferenz zu einer einstimmigen Entscheidung führen, ver-tritt der Vorsitzende (oder kraft Delegation ein anderes Mitglied der Bischofsversammlung) vor dem Staat, der Gesellschaft oder anderen Religionsgemeinschaften die gemeinsame Stellungnahme der orthodoxen Diözesen der Region.[5]

Nach den Art. 4 der obigen Satzung hat der Ökumenische Patriarch die Aufgabe, die Arbeiten der Bischofskonferenzen zu leiten. Trotz der Leitungsfunktion des Ökumenischen Patriarchen werden  nach Art. 10 der Satzung die Entscheidungen einstimmig gefällt.[6] Dem Ökumenischen Patriarchen kommt hier also nur eine Koordinierungsfunktion zu. Insgesamt hat der Ökumenische Patriarch daher weitaus weniger Leitungsgewalt in der orthodoxen Kirche als der Papst in der römisch-katholischen Kirche.

d) Die Bischofsweihe im CIC und CCEO
Nach c. 1013 CIC ist die Weihe eines Bischofs nur mit dem Auftrag des Papstes erlaubt. Diözesanbischöfe werden vom Papst ernannt oder in einem Wahlgremium, etwa einem Domkapitel, gewählt und anschließend vom Papst bestätigt. Nach c. 745 CCEO ist die Bischofsweihe nach Maßgabe des Rechts dem Papst, dem Patriarchen oder dem Metropoliten vorbehalten.

Nach c. 63 CCEO  werden die Patriarchen auf der Synode der Bischöfe der jeweiligen Patriarchalkirche gewählt.[7] Nach seiner Wahl muss er den Papst in einem handgeschriebenen Brief um die Gewährung kirchlichen Gemeinschaft (ecclesiastica communio) bitten. Erst danach darf der Patriarch die Synode der Patriarchalkirche einberufen und Bischöfe weihen.[8]

Bei der großerzbischöflichen Kirche muss nach c. 153 § 2 CCEO die Wahl des Großerzbischofs vom Papst bestätigt werden. Erst nach dieser Bestätigung darf der Großerzbischof von seinem Amt Besitz ergreifen.[9] Bei den Metropolitankirchen eigenen Rechts (cc. 155 – 173 CCEO) ernennt der Papst aufgrund eines Dreiervorschlags des Hierarchenrats den Metropoliten.[10] Die anderen Kirchen eigenen Rechts, die in cc. 174 – 176 CCEO geregelt sind, werden von einem von Papst ernannten Hierarchen geleitet.

e) Die Bischofsweihe im orthodoxen Kirchenrecht
Im orthodoxen Kirchenrecht wählen die jeweiligen orthodoxen autokephalen Kirchen ihre Bischöfe selbst nach ihrem Eigenrecht. Nach den obigen Ausführungen hat das orthodoxe Kirchenrecht im Weiherecht eine größere Übereinstimmung mit dem CCEO als der CCEO mit dem CIC. Im Geltungsbereich des CCEO hat der Papst nur geringe Einflußmöglichkeiten hinsichtlich der Weihe eines Bischofs.

2. Das Zölibat
Im Weiherecht gilt sowohl nach dem CCEO als auch dem orthodoxen Kirchenrecht für die Priester nicht das Zölibat.[11] Diese Regelung steht im fundamentalen Gegensatz zu der Regelung des c. 277 § 1 CIC, der eine Zölibatsverpflichtung  für Kleriker statuiert. Allerdings kann nach c. 804 CCEO ein zum Priester geweihter Mann nicht heiraten. Nach c. 180 CCEO ist jedoch Voraussetzung für die Weihe zum Bischof, dass der Betreffende nicht verheiratet ist.

Nach dem Heiligen und Großen Konzil von Kreta ist nach orthodoxem Kirchenrecht eine Zweitehe für Kleriker nicht möglich.[12] Nur in einzelnen Lokalkirchen wird in dieser Frage eine Oikonomia-Lösung mit der Begründung praktiziert, dass es sich nicht um ein Ehehindernis des ius divinum handelt.[13]

3. Die Eheschließung
a) Die Spendung der Ehesakraments
Nach c. 1108 § 1 CIC spenden sich die Nupturienten das Ehesakrament gegenseitig. Der Priester leistet dabei nur eine Eheassistenz. In Notfällen kann nach c. 1116 CIC sogar eine Eheschließung ohne kirchliche Eheassistenz erfolgen. Nach c. 828 CCEO ist der Spender des Ehesakraments der Priester.[14] In dieser Norm wird in der deutschsprachigen Übersetzung der neuartige Begriff des „Benedizieren“ verwandt, der wohl als „Segnung“ zu verstehen ist.[15] Allerdings gibt es auch in c. 832 CCEO die Möglichkeit einer Noteheschließung ohne Beteiligung eines Priesters. Im orthodoxen Eherecht ist seit Ende des 9. Jahrhunderts die priesterliche Segnung (Krönung) Gültigkeitsvoraussetzung der Ehe.[16] Bezüglich des sakramentalen Verständnisses der Ehe besteht also eine größere Übereinstimmung des CCEO mit dem orthodoxen Eherecht.

b) Die Eheschließung älterer Personen
Im CIC finden sich keine Einschränkungen für die Eheschließungen von älteren Personen. Im orthodoxen Kirchenrecht herrscht ein funktionaleres und an der Zeugung von Kindern orientiertes Eherecht vor. Demnach dürfen Personen in der Altersklasse von 60 bis 80 Jahren nur aufgrund eines Dispenses heiraten. Dieser Dispens wird aber für über 80jährige nicht mehr erteilt.[17]

c) Das Ehehindernis der geistlichen Verwandtschaft
Im CCEO besteht nach c. 811 das Ehehindernis der geistlichen Verwandtschaft. Das bedeutet, dass eine Eheschließung zwischen einem Getauften und seinem Taufpaten unzulässig ist.[18] Dieses Ehehindernis besteht im CIC seit 1983 nicht mehr.[19] Im orthodoxen Kirchenrecht besteht das Ehehindernis der geistlichen Verwandtschaft immer noch. Es kann jedoch nach der zweiten Panorthodoxen Konferenz bei Patenschaft bis zum zweiten Grad dispensiert werden.[20]

d) Das Ehehindernis der Weihe im orthodoxen Kirchenrecht
Im orthodoxen Kirchenrecht besteht größtenteils das absolute Ehehindernis der Weihe.[21] Wenn die Ehefrau oder sogar die Verlobte eines Mannes verstarb, kann dieser nicht zum Priester geweiht werden. Das gilt auch, wenn das Verlöbnis aufgelöst wurde.[22] Allerdings würde diesem Mann dann die Ehe mit einer weiteren Frau offen stehen. Wenn eine Frau mit einem Priester verheiratet ist und dieser verstirbt, kann diese Frau jedoch eine weitere Ehe eingehen.[23] Das Ehehindernis der Weihe hat die Orthodoxe Armenische Apostolische Kirche jedoch aufgegeben.[24] Für die katholische armenische Ostkirche gilt jedoch die Regelung des CCEO mit dem Weiheverbot. Auch die ostsyrische orthodoxe Tradition erlaubt ihren ledigen und verwitweten Priestern eine Eheschließung.[25]

e) Das Ehehindernis der Blutsverwandtschaft
Nach c. 1091 CIC sind Eheschließungen zwischen Personen, die voneinander abstammen, immer ungültig.[26] In der Seitenlinie besteht das Ehehindernis nach c. 1091 § 2 CIC bis zum vierten Grad. In der orthodoxen Kirche kann vom Ehehindernis der Blutsverwandtschaft in gerader Linie bis zum 5. Grad und in der Seitenlinie dispensiert werden.[27]

f) Das Ehehindernis der Schwägerschaft
Nach c. 1092 CIC besteht ein Ehehindernis bei Schwägerschaft in der geraden Linie. So kann etwa der Mann nicht die Tochter oder Mutter seiner verstorbenen Gattin heiraten. Die Regelung in c. 809 § 2 CEOO geht weiter und erstreckt das Ehehindernis auch auf den zweiten Grad der Seitenlinie. Es wäre daher im obigen Beispiel im Geltungsbereich des CEOO unzulässig, wenn der Mann die Schwester seiner verstorbenen Gattin heiratet. Im Geltungsbereich des CIC wäre ihm das erlaubt.[28] Allerdings handelt es sich hier um ein dispensibles Ehehindernis.

Im orthodoxen Kirchenrecht gilt bei der Verwandtschaft durch Schwägerschaft ein Ehehindernis. Von diesem kann nach der zweiten Panorthodoxen Konferenz nur bis zum 5. Grad dispensiert werden.[29]

g) Das Ehehindernis der disparitas cultus
Das klassische orthodoxe Kirchenrecht untersagte eine Eheschließung von orthodoxen und heterodoxen oder nichtchristlichen Nupturienten.[30] Ende des 19. Jahrhunderts war nach der Synode des Ökumenischen Patriarchats eine Mischehe zulässig. Voraussetzung war eine schriftliche Erklärung der Nupturienten, dass die aus der Ehe hervorgehenden Kinder orthodox getauft und erzogen werden, wenn der heterodoxe Nupturient nicht konvertieren wollte.[31]

Auf dem Heiligen und Großen Konzil von Kreta wurde 2016 ein Ehedokument verabschiedet. In diesem wurden zwar eingangs Ehen von orthodoxen mit nichtorthodoxen Gläubigen nach der kanonischen Akribie verboten. Allerdings wird im Rahmen der Ökonomia dem Heiligen Synod der einzelnen autokephalen orthodoxen Kirchen gestattet, von diesem Grundsatz zu dispensieren.[32] Weiters wird im Ehedokument eine Ehe zwischen Orthodoxen und Nichtchristen nach der kanonischen Akribie kategorisch verboten.[33] Bezüglich dieser Ehen gab es keinen Hinweis auf die Ökonomia. Dieses Ehedokument haben die orthodoxen Kirchen von Bulgarien und Antiocheia nicht mitgetragen. In diesen Kirchen gilt das Ehedokument daher nicht.

h) Die Bewertung von Zivilehen
Von der Russischen Orthodoxen Kirche werden Zivilehen als rechtmäßig anerkannt.[34] Die sich in ihr befindlichen Eheleute werden nach der russischen Sozialkonzeption nicht als Unzucht treibend erachtet.[35] Die Russische Synode hat ihre Priester nach der Wende auch ausdrücklich angewiesen, nur zivil getrauten Ehepaaren nicht die Kommunion zu verweigern.[36] Dagegen hat das Statut der Kirche von Zypern Ehen mit Nichtchristen ausdrücklich für ungültig erklärt.[37] Auch die georgische Kirche hat sich auch im Einzelfall gegen die Möglichkeit ausgesprochen, Eheschließungen mit Nichtchristen zu tolerieren.

i) Die Taufe und Erziehung der Kinder bei Mischehen
In der Kirche von Zypern sind Mischehen mit heterodoxen Christen nur zulässig, wenn der heterodoxe Ehepartner mit der orthodoxen Taufe und Erziehung der aus der Ehe hervorgehenden Kinder einverstanden ist.[38] Nachtrauungen werden seitens der russisch orthodoxen Kirche jedoch befürwortet. Einen anderen Weg geht die Orthodoxe Kirche von Amerika und die Deutsche Orthodoxe Bischofskonferenz. Hier haben die Nupturienten selbst die Möglichkeit zu entscheiden, in welcher Kirche die Kinder getauft werden.[39]

3. Die Annullierung, Scheidung und Trennung von Ehen
a) Die Annullierung von Ehen
Im CIC und CCEO besteht die Möglichkeit der Annullierung einer Ehe durch die Offizialate. Im Jahr 2013 wurden allein im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz 608 Ehenichtigkeitsverfahren eingeleitet, von denen 514 zu einer Annullierung der Ehe führten.[40] In der orthodoxen Kirche ist die Annullierung einer Ehe aber die absolute Ausnahme und kommt nur vereinzelt vor.[41] Die Orthodoxe Kirche von Amerika schließt ausweislich ihrer Webseite Ehenichtigkeitsverfahren kategorisch aus.

b) Die Ehescheidung
In allen orthodoxen Kirchen sind Ehescheidungen  möglich. Nach dem seit dem Jahre 920 bis heute geltenden Tomos tes enoseos wird die Zahl der zulässigen Eheschließungen auf drei begrenzt.[42] Viertehen wurden im Jahr 1900 vom Ökumenischen Patriarchen als unzulässige abendliche Neuerungen eingestuft.[43] Dennoch kamen in Bosnien Viertehen und in Einzelfällen sogar fünfte und sechste Ehen vor. In der Hermannstädter Metropolie, in Siebenbürgen und der Bulgarischen Kirche waren Viertehen früher auch möglich.[44]

In der katholischen Kirche gibt es auch eine Ehescheidung. Allerdings ist diese nur in dem Fall zulässig, wo die Ehe noch nicht vollzogen wurde. Dann hat der Papst das Recht, diese Ehe zu scheiden. Diese Regelung gilt nach c. 1141 CIC sowohl in der lateinischen Kirche als auch nach c. 853 CCEO in den katholischen Ostkirchen.  Abgesehen von diesem Fall ist eine Ehescheidung in der katholischen Kirche nicht möglich. Auch in den katholischen Ostkirchen ist eine Zweitehe nicht zulässig. Das wurde in einer Erklärung von mehreren Priestern des byzantinischen Ritus im Wiener Diözesanblatt zu einer unzutreffenden Darstellung in einem Pressebericht klargestellt.

c) Die Trennung auf Dauer bei aufrechtem Eheband
Nach c. 1151 CIC haben die Ehegatten das Recht und die Pflicht, die eheliche Lebensgemeinschaft zu wahren. Im Falle von Ehebruch (c. 1152 CIC) oder wenn einer der Ehegatten eine Gefahr für den anderen Gatten oder die Kinder (c. 1153 CIC) herbeiführt, ist eine Trennung bei bleibendem Eheband nach dem CIC möglich.[45] Im CIC von 1917 nannte man das die Trennung von Tisch und Bett. Entsprechende Regeln finden sich auch in cc. 1378 bis 1382 CCEO.[46] Im orthodoxen Eherecht findet sich diese seperatio continua jedoch nicht.[47]

[1] Potz, Synek, Orthodoxes Kirchenrecht, Freistadt 2014, S. 411.

[2] Potz, Synek, Orthodoxes Kirchenrecht, Freistadt 2014, S. 417.

[3] Potz, Synek, Orthodoxes Kirchenrecht, Freistadt 2014, S. 412.

[4] Synek, Aktuelle Bemühungen um eine „kanonische“ Lösung für die Orthodoxe Diasporajurisdiktion, öarr 2009, 463, 470.

[5] Zitiert nach Synek, Aktuelle Bemühungen um eine „kanonische“ Lösung für die Orthodoxe Diasporajurisdiktion, öarr 2009, 463, 481.

[6] Synek, Aktuelle Bemühungen um eine „kanonische“ Lösung für die Orthodoxe Diasporajurisdiktion, öarr 2009, 463, 483.

[7] Müller, Katholische Ostkirchen, Skript, S. 64.

[8] Müller, Katholische Ostkirchen, Skript, S. 66.

[9] Müller, Katholische Ostkirchen, Skript, S. 48.

[10] Müller, Katholische Ostkirchen, Skript, S. 48.

[11] Müller, Katholische Ostkirchen, Skript, S. 94.

[12] Synek, Das heilige und große Konzil von Kreta – eine Standortbestimmung, öarr 2016, 319, 334.

[13] Synek, Das heilige und große Konzil von Kreta – eine Standortbestimmung, öarr 2016, 319, 334.

[14] Müller, Katholische Ostkirchen, Skript, S. 97.

[15] Fürst, Bemerkungen zur deutschen Übersetzung des CCEO, öarr 2000, 247.

[16] Synek, Kirchenrechtsvergleichung II, Orthodoxie, Skript, S. 4,5.

[17] Synek, Kirchenrechtsvergleichung II, Orthodoxie, Skript, S. 4.

[18] Handbuch des Katholischen Kirchenrechts 2015, Rambacher, § 91, S. 1309.

[19] Müller, Katholische Ostkirchen, Skript, S. 97.

[20] Synek, Kirchenrechtsvergleichung II, Orthodoxie, Skript, S. 9.

[21] Synek, „Der Pfarrer muss verehelicht sein…“: Klerikerehen der Donaumonarchie und ihre speziellen Rechtsprobleme, öarr 2017, 542, 556.

[22] Synek, „Der Pfarrer muss verehelicht sein…“: Klerikerehen der Donaumonarchie und ihre speziellen Rechtsprobleme, öarr 2017, 542, 547.

[23] Synek, „Der Pfarrer muss verehelicht sein…“: Klerikerehen der Donaumonarchie und ihre speziellen Rechtsprobleme, öarr 2017, 542, 553.

[24] Synek, Einige Klarstellungen zum ostkirchlichen Eherecht, öarr 2011, 420, 430.

[25] Synek, Einige Klarstellungen zum ostkirchlichen Eherecht, öarr 2011, 420, 430.

[26] Handbuch des Katholischen Kirchenrechts 2015, Rambacher, § 91, S. 1307.

[27] Synek, Kirchenrechtsvergleichung II, Orthodoxie, Skript, S. 8.

[28] Handbuch des Katholischen Kirchenrechts 2015, Rambacher, § 91, S. 1308.

[29] Synek, Kirchenrechtsvergleichung II, Orthodoxie, Skript, S. 8.

[30] Synek, Kirchenrechtsvergleichung II, Orthodoxie, Skript, S. 11.

[31] Synek, Kirchenrechtsvergleichung II, Orthodoxie, Skript, S. 12.

[32] Synek, Das heilige und große Konzil von Kreta – eine Standortbestimmung, öarr 2016, 319, 333.

[33] Synek, Das heilige und große Konzil von Kreta – eine Standortbestimmung, öarr 2016, 319, 333.

[34] Synek, Interreligiöse Ehen, öarr 2018, 244.

[35] Zitiert nach Synek, Kirchenrechtsvergleichung II, Orthodoxie, Skript, S. 12.

[36] Synek, Kirchenrechtsvergleichung II, Orthodoxie, Skript, S. 5.

[37] Synek, Interreligiöse Ehen, öarr 2018, 244, 247.

[38] Synek, Kirchenrechtsvergleichung II, Orthodoxie, Skript, S. 12.

[39] Synek, Kirchenrechtsvergleichung II, Orthodoxie, Skript, S. 12, 13.

[40] Handbuch des Katholischen Kirchenrechts 2015, Rambacher, § 91, S. 1393.

[41] Synek, Kirchenrechtsvergleichung II, Orthodoxie, Skript, S. 6.

[42] Synek, Kirchenrechtsvergleichung II, Orthodoxie, Skript, S. 15.

[43] Synek, Kirchenrechtsvergleichung II, Orthodoxie, Skript, S. 17.

[44] Synek, Kirchenrechtsvergleichung II, Orthodoxie, Skript, S. 17,18.

[45] https://www.ulrichrhode.de/ehe/e-skriptum.pdf, abgerufen am 15.5.2022.

[46] Handbuch des Katholischen Kirchenrechts 2015, Rambacher, § 91, S. 1719.

[47] Synek, Kirchenrechtsvergleichung II, Orthodoxie, Skript, S. 4.